Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

Nicht jeder darf sich Kfz-Sachverständiger nennen!

Das OLG München hat bereits am 11. Februar 1999 in einer grundlegenden Entscheidung deutlich gemacht, dass an den Beruf des Kfz-Sachverständigen besondere Anforderungen zu stellen sind. Bekanntlich ist der Beruf des Kfz-Sachverständigen gesetzlich nicht geregelt. Trotz vielfältiger Bemühungen hat der Gesetzgeber bis zum heutigen Tage keinerlei Interesse gezeigt, ein gesetzliches Berufsbild zu schaffen, das insbesondere auch die Verbraucher davor schützen könnte, in die Hände unqualifizierter sogenannter Sachverständiger zu geraten.

In dem bereits seit 1993 anhängigen Verfahren hatte sich die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs auf Veranlassung des BVSK gegen einen Sachverständigen gewandt, der weder Ingenieur noch Kfz-Meister ist und der sich dennoch als Kfz-Sachverständiger bezeichnete.

Das OLG München hat nun den Beklagten verurteilt, es zu unterlassen, sich im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs in Bezug auf die Bewertung von Unfallschäden und/oder die Bewertung von Fahrzeugen als Sachverständiger zu bezeichnen und/oder seinen Gewerbebetrieb als Kfz-Sachverständigenbüro und/oder Sachverständigenbüro für Kfz-Unfallschäden und Fahrzeugbewertung zu bezeichnen und/oder bezeichnen zu lassen. Nach Auffassung der Richter erwarten die relevanten Verkehrkreise - in diesem Fall also die Autofahrer -, dass ein Kfz-Sachverständiger über ein besonderes Maß an Fachkunde verfügt. Zwar sei nicht zwingend erforderlich, dass es sich um einen Kfz-Meister oder Diplomingenieur handelt, allerdings müsse der Betroffene qualifiziert nachweisen, dass er in diesem Ausnahmefall die erforderlichen Kenntnisse anderweitig erworben hat. Sehr detailliert führt das OLG München aus, dass "Pseudoausbildungen" nicht geeignet sind, diesen Nachweis zu erbringen.

Mit dieser Entscheidung ist nach nahezu 9 Jahren Rechtsstreit ein entscheidender Schritt im Interesse des qualifizierten freiberuflichen Sachverständigen und der Verbraucher erreicht worden. Es bleibt zu hoffen, dass nun Verbraucherorganisationen, Versicherungen und Gerichte unter Berufung auf die Entscheidung des OLG München, stärker als dies in der Vergangenheit möglich war, gegen unqualifizierte Sachverständige ohne jede fachliche Ausbildung vorgehen werden.

Die Entscheidung des OLG München, Az. 29 U 6380/93, ist rechtskräftig, da der Bundesgerichtshof am 20. 1. 2000 unter dem Aktenzeichen I ZR 98/99 die Annahme der Revision mit der Begründung abgelehnt hat, dass die Revision im Ergebnis keine Aussicht auf Erfolg hätte.

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