Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

Die Restwertermittlung bei KH und Kaskofällen

Nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall hat der Geschädigte das Recht, sein beschädigtes Fahrzeug zu dem Wert zu veräußern, den ein von ihm eingeschalteter Kfz-Sachverständiger ermittelt hat (Entscheidungen des Bundesgerichtshofes vom 04. 06. 1991, AZ VI ZR 181/92 und vom 30. 11. 1999, AZ VI ZR 219/98).

Der Kfz-Sachverständige hat den Restwert auf dem sogenannten allgemeinen regionalen Markt zu ermitteln, das heißt er hat den Wert festzustellen, den der Geschädigte bei einem Kfz-Betrieb seines Vertrauens in seiner Region oder bei einem angesehenen Gebrauchtwagenhändler erhalten würde. Der Kfz-Sachverständige sollte also bei der Restwertermittlung den Wert ermitteln, zu dem ein Kfz-Betrieb bereit ist, das Fahrzeug vom Kunden zu erwerben. Nach der herrschenden Rechtsprechung ist der Kfz-Sachverständige gehalten, konkrete Restwertangebote am allgemeinen Markt einzuholen. Der Kfz-Sachverständige überprüft diese Angebote im Rahmen seiner Sachverständigentätigkeit, um einen Wert festlegen zu können, zu dem der Kfz-Betrieb das Fahrzeug ankaufen kann.

Obschon die Rechtsprechung zu dieser Thematik eindeutig ist, werden über einige Sachverständigenorganisationen und insbesondere über Sachverständige der Versicherungswirtschaft Restwerte ausschließlich über sogenannte Restwertbörsen ermittelt. Zugrundegelegt wird in diesen Fällen oft das Höchstgebot einer Restwertbörse, was es dem Kfz-Betrieb unmöglich macht, das Unfallfahrzeug zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Konditionen zu erwerben.

Vor diesem Hintergrund ist es außerordentlich wichtig, dass der Geschädigte einen Sachverständigen, der die Restwertermittlung bspw. auf der Grundlage einer entsprechenden Empfehlung des BVSK, die der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes entspricht, beauftragt. Der Kfz-Betrieb ist berechtigt, das Fahrzeug zu dem vom Sachverständigen festgelegten Restwert zu erwerben. Wurde das Fahrzeug vom Geschädigten jedoch noch nicht veräußert, kann der Versicherer jederzeit ein konkretes höheres Restwertgebot vorlegen, das dann in aller Regel vom Geschädigten zu beachten ist. Der Kfz-Betrieb ist daher gut beraten, möglichst schnell – bevor der Versicherer ein konkretes höheres Angebot vorlegen kann – das Fahrzeug vom Kunden zu kaufen.

Schreiben des Versicherers, dass der Versicherer in der Lage sei, höhere Restwertgebote vorzulegen, sind im übrigen unbeachtlich, da ein Geschädigter nur verpflichtet ist, ein tatsächlich vorliegendes konkretes Angebot zu berücksichtigen, falls er sein Fahrzeug noch nicht zu dem Wert im Gutachten veräußert hat.
Im Kaskoschaden hat der Versicherungsnehmer allerdings die vertragliche Verpflichtung, vor Veräußerung des Restwertes Rücksprache mit dem Versicherer zu nehmen. Der Kfz-Betrieb ist also in Kaskofällen gut beraten, wenn er vor dem Erwerb des Fahrzeuges sicherstellt, dass der Versicherer nicht ein höheres Restwertangebot zugrunde legt.

Quelle: Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. -BVSK-

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