Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

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Führen Partnervereinbarungen mit Versicherungen ins Abseits?

Derzeit ist die Allianz-Versicherung außerordentlich aktiv bei dem Versuch, Kfz-Betriebe mit sogenannten FairPlay-Konzepten für eine Partnerschaft zu gewinnen. Neben dem Allianz - Opel FairPlay-Vertrag liegen zwischenzeitlich auch Vereinbarungen mit dem ZKF und Ford vor.

Weitere Verträge sind in Vorbereitung. Die Regelungen laufen zwar unter dem Begriff FairPlay, doch bei näherer Überprüfung halten sie einer wirklichen Fairnessprüfung wohl nicht stand.

Insbesondere das FairPlay-Konzept Opel – Allianz ist derart ungeschickt formuliert, dass selbst der automobile Laie die Nachteile des Konzeptes sofort erkennen kann.

Die so genannten FairPlay-Regeln, die Bestandteil der Verträge sind, lassen ernsthaft nicht erkennen, welche Leistungen denn der FairPlay-Partner Allianz einem Kfz-Betrieb überhaupt bieten will. Die einzige Leistung scheint man darin sehen zu wollen, dass man dem Betrieb verspricht, dass bei Einhaltung der FairPlay-Regeln die Allianz als Haftpflichtversicherer und Kaskoversicherer zügig zahlt. Die Zahlung des Haftpflichtversicherers oder des Kaskoversicherers ist eine juristische Selbstverständlichkeit, die eigentlich nicht der besonderen Erwähnung in einem Vertrag bedarf.

Die eigentliche Botschaft der FairPlay-Verträge scheint sich in dem Hinweis zu erschöpfen, dass freie Sachverständige und Rechtsanwälte nur noch erwünscht sind, wenn der Kunde dies ausdrücklich möchte. Ungeniert teilt der FairPlay-Partner Allianz der Werkstatt mit, dass bei Einschaltung eines Sachverständigen oder eines Rechtsanwaltes nicht damit gerechnet werden kann, dass die Abwicklung im FairPlay-System erfolgt. Die kann übersetzt doch wohl nur bedeuten, dass es mit der Fairness nicht weit her ist.

Allen bisher gewordenen FairPlay-Konzepten der Allianz liegt eine enge Kooperation mit der Firma ControlExpert zugrunde. Jeder Kfz-Betrieb in Deutschland kennt die Kürzungsprotokolle der Firma ControlExpert, weshalb es noch absurder ist, zu glauben, dass in einer Kooperation Allianz – ControlExpert FairPlay stattfinden könnte.

Der Prüfpartner ControlExpert ist sogar berechtigt alle relevanten Daten dem Automobilhersteller zu übermitteln, damit dieser aus diesen Daten heraus gegebenenfalls Rückschlüsse – beispielsweise für Gewährleistungs- oder Garantieabrechnungen – ziehen kann. Ein solches Vorgehen mag für herstellereigene Niederlassungen noch vertretbar, für unabhängige Kfz-Betriebe überwiegen ganz eindeutig die Nachteile.

Ein Blick in das Horrorkabinett der FairPlay-Regeln macht deutlich, dass Vorteile für Kfz-Betriebe nicht erkennbar sind.

FairPlay-Regelungen (auszugsweise):


3. Der Kunde hat im Kraftfahrt-Haftpflichtfall weiterhin das Recht, einen Rechtsanwalt und/ oder freien Sachverständigen hinzuzuziehen, wenn er das ausdrücklich möchte.
Die Abwicklung erfolgt dann wie bisher nicht im Rahmen von FairPlay.

10. Allianz verpflichtet sich, keinerlei Schäden aus einem Opel Betrieb in eine andere Werkstatt herauszusteuern.

11. Die teilnehmenden Opel Service Partner sind einverstanden, dass die Adam Opel GmbH Einblick in die Daten der Schadenskalkulationen und Rechnungen sowie die damit verbundenen Auswertungen erhält, soweit dies zur Steuerung und Weiterentwicklung des Fairplay-Konzepts erforderlich ist.

Wer demnach glaubt, diese Verträge unterzeichnen zu müssen, sollte daran denken, dass er in erster Linie verpflichtet ist, nichts zu tun, was der berechtigten Interessenlage des Kunden schadet.

Daher gilt:

Achten Sie darauf, dass 100 % des Schadens erstattet werden. Helfen Sie Ihrem Kunden, unabhängige Kfz-Sachverständige und Rechtsanwälte zu finden. Es sind Rechte Ihres Kunden, die nicht beschnitten werden dürfen. Sie helfen damit am Ende dem eigenen Betrieb!

Quelle: Presseinformation des BVSK

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