Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

Mietwagenkostenabrechnung

 

Nahezu alle Autovermieter in Deutschland, die Kraftfahrzeuge im Rahmen des Unfallersatzes vermieten, haben derzeit mit häufig willkürlichen Kürzungen durch Versicherer zu tun.
In einigen Regionen verweisen Versicherer auf eine so genannte Tableau-Direktvermietung, welche über eine zentrale Versicherungshotline Fahrzeuge vermittelt.
Die dort ausgewiesenen Tagespreise für Fahrzeuge dürften für die meisten Autovermieter völlig unakzeptabel sein.
Ein Tagespreis von 37,00 € inklusive Vollkaskoversicherung muss sich aus Sicht eines Kfz-Betriebes, der Fahrzeuge im Unfallersatz anbietet, wie ein sittenwidriges Angebot darstellen.
Berücksichtigt man die üblicherweise bei der Autovermietung anfallenden Kosten - angefangen von der Finanzierung bis hin zu den Wartungs- und Inspektionskosten - und betrachtet die durchschnittliche Auslastung für die vorgehaltenen Fahrzeuge, kann ein Tagespreis, der unter 100,00 € liegt, nicht nachvollzogen werden.
Auch nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist ein Geschädigter keinesfalls verpflichtet, derartige Vermiettableaus, die ihm vom Versicherer vorgelegt werden, zu berücksichtigen.
Vielmehr hat der Bundesgerichtshof selbst ausgeführt, dass der Geschädigte selbstverständlich berechtigt ist, ein Fahrzeug bei der ihm vertrauten Vertragswerkstatt anzumieten. Klargestellt wurde jedoch in der Bundesgerichtshofentscheidung, die oft auch von Versicherern zitiert wird, dass der berechnete Preis für das Unfallersatzfahrzeug betriebswirtschaftlich erforderlich sein muss.
Diesen Nachweis kann in der Regel ein Kfz-Betrieb ohne weiteres erbringen. Wirksames Hilfsmittel ist hier beispielsweise auch eine CD mit Berechnungsschema und Musterschreiben, die über die BVSKService-GmbH bezogen werden kann.
Jeder Kfz-Betrieb, der Fahrzeuge im Unfallersatz vermietet, sollte jedoch nach Auffassung von Verkehrsjuristen darüber nachdenken, die Tarifstruktur den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen.
Häufig wird ein so genannter Normaltarif angeboten, der in der Praxis der Autovermietung überhaupt keine Rolle spielt. Lediglich aus Marketinggründen wird ein äußerst preiswerter Tarif angeboten, obschon weit über 90 % der Fahrzeuge als Unfallersatzfahrzeuge zu einem anderen Tarif vermietet werden. Will man nun die Differenz zwischen Normaltarif und Unfallersatztarif betriebswirtschaftlich begründen, muss man in der Argumentation scheitern, wenn der so genannte Normaltarif überhaupt keine betriebswirtschaftliche Begründung hat.
Gerade im Bereich der Kfz-Reparaturbetriebe ist ohnehin der Unfallersatztarif der eigentliche Normaltarif, neben dem nur noch der ohnehin unkritische Reparatur- oder Inspektionsersatztarif steht.
Gerade für kleinere Autovermieter kann es daher durchaus sinnvoll sein, einen betriebswirtschaftlich begründbaren Einheitstarif anzubieten, der dann auch im Rahmen der bedauerlicherweise oft erforderlichen gerichtlichen Auseinandersetzung Bestand hat.

 

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