Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

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D-52070 Aachen
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Bundesgerichtshof schränkt fiktive Abrechnung von Reparaturkosten ein

ACHTUNG: Gefahr für Kfz-Betriebe

Bislang entsprach es gängiger Praxis, bei fiktiver Abrechnung der Reparaturkosten, die kleiner als 70 % des Wiederbeschaffungswertes waren, die vollen Reparaturkosten geltend zu machen. Die Reparaturkosten wurden häufig als Anzahlung für ein neues Auto genutzt. In Verbindung mit dem Restwert konnte so oft eine interessante Finanzierungsmöglichkeit eröffnet werden.

Dieser Praxis hat der Bundesgerichtshof mit seiner Entscheidung vom 07. Juni 2005, AZ: VI ZR 192/04 nun wohl ein Ende gesetzt. Fiktive Reparaturkosten erhält der Geschädigte nur noch, wenn die Reparaturkostensumme geringer ist als die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert. Der Bundesgerichtshof will hiermit ausschließen, dass sich der Geschädigte am Verkehrsunfall „bereichert“.

Für Kfz-Betriebe birgt diese Entscheidung erhebliche Gefahren:

  1. Kostenvoranschläge bei fiktiver Abrechnung sind für die Werkstatt nachteilig, da der Kostenvoranschlag keine Angaben zum Restwert und Wiederbeschaffungswert enthalten darf.
  2. Die Anrechnung der fiktiven Reparaturkosten auf eine Ersatzbeschaffung ist nicht mehr möglich.
  3. Bei Wahl des falschen Sachverständigen werden Wiederbeschaffungswert zu günstig und Restwert zu hoch angesetzt (siehe z.B. Anweisung Allianz zum Restwert).

Lösungen:

  1. Der Bundesgerichtshof hat ebenfalls entschieden, dass dem Geschädigten die vollen Reparaturkosten zustehen, falls er das Fahrzeug weiter nutzt und die Betriebs- und Verkehrssicherheit wiederhergestellt wird, unabhängig von der Qualität der Reparatur.

    » Oft ist es daher sinnvoll, das Fahrzeug notdürftig zu reparieren, um es später vom Kunden anzukaufen. In diesem Fall erhält der Geschädigte die vollen Reparaturkosten, auf Restwert und Wiederbeschaffungswert kommt es nicht an.

  2. Finger weg vom Kostenvoranschlag!
    Lässt der Geschädigte trotz Kostenvoranschlag nicht reparieren, erhält er nur die Differenz aus Wiederbeschaffungswert und Restwert. Beide Werte werden bei einem Kostenvoranschlag vom Versicherer bestimmt.

  3. Der unabhängige qualifizierte Sachverständige muss Wiederbeschaffungswert und Restwert marktgerecht unter auch Berücksichtigung der Interessen des Kfz-Betriebes ermitteln.

    » Will der Geschädigte keine Reparatur, sollten Sie das Fahrzeug möglichst schnell zum Restwert laut Gutachten ankaufen. Spätere höhere Gebote des Versicherers sind grundsätzlich unerheblich.

  4. Vorrang der Reparatur
    Machen Sie dem Kunden klar, dass die Reparatur – auch die notdürftige Reparatur – für ihn der bessere Weg ist.
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