Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

Unabhängige Schadenfeststellung statt elektronische Prüfberichte

Derzeit gibt es Tendenzen in der Schadenabwicklung, sowohl bei Haftpflicht- wie auch bei Kaskoschäden verstärkt auf so genannte elektronische Prüfberichte, wie Sie beispielsweise die Firma ControlExpert anbietet, zu setzen. Häufig werden die Prüfberichte eingesetzt, um Kostenvoranschläge, Gutachten oder Rechnungen der Kfz-Betriebe nach den Vorgaben der regulierungspflichtigen Versicherer willkürlich zu kürzen. Betroffen sind insbesondere Stundenverrechnungssätze, Ersatzteilpreisaufschläge, Verbringungskosten, Richtwinkelsatz-kosten, Wiederbeschaffungswert und Restwert.

Selbst Automobilhersteller oder Verbände tragen sich derzeit mit dem Gedanken, bei der Schadenabwicklung verstärkt Kostenvoranschläge anzubieten bei klarer Umgehung des Rechts des Geschädigten, bei einem unverschuldeten Unfall einen Sachverständigen seines Vertrauens einzuschalten.

Wie man derzeit in der Fachpresse verfolgen kann, wird bei Fällen, die durch die elektronischen Prüfberichte nicht sofort erfasst werden, in erster Linie eine Überprüfung durch Sachverständige der Versicherungswirtschaft oder durch Sachverständige von Organisationen, die eng mit der Versicherungswirtschaft zusammenarbeiten, geplant.

Leidtragende in einem derartigen System sind zweifelsfrei die Kfz-Reparaturbetriebe selbst und die geschädigten Autofahrer.

Es liegt in der Hand eines unabhängigen und qualifizierten Kfz-Reparaturbetriebes, alles daran zu setzen, dass der Geschädigte nach einem Verkehrsunfall seine Rechte wahrnehmen kann, damit tatsächlich 100 % Schadenersatz geleistet wird.

Es besteht nicht die geringste Veranlassung, in einem Haftpflichtschadenfall dem Wunsch des regulierungspflichtigen Versicherers Folge zu leisten und eigene Kostenvoranschläge zu erstellen, die weder den Schaden vollständig wiedergeben können, noch durch den regulierungspflichtigen Versicherer erstattet werden. Diese Aussage gilt umso mehr, als der Kfz-Betrieb sich weit aus besser profilieren kann, wenn er dafür Sorge trägt, dass sein Kunde in der Lage ist, alle ihm zustehenden Rechte wahrzunehmen. Es ist schon erstaunlich, dass als einzige Gegenleistung des Versicherers für den Verzicht auf ein Sachverständigengutachten oder für den Verzicht auf einen Anwalt eine schnelle Zahlung angeboten wird. Zur Zahlung sämtlicher unfallbedingter Kosten ist der Schädiger, d. h. der regulierungspflichtige Versicherer ohnehin Kraft Gesetzes verpflichtet. Offenbar will man den Aufwand der Schadenfeststellung nun auch im Haftpflichtschadenfall auf die Werkstatt verlagern, verbunden mit dem Generalangriff auf Nebenkosten sowie auf merkantile Wertminderung, Wiederbeschaffungswert, Restwert und unabhängige Kfz-Sachverständige.
Die Zeche zahlt aber auch der Kunde des Autohauses, der oft nicht den Schadenersatz erhält, der ihm zusteht und der im Zweifel sein Autohaus für die schlechte Beratung verantwortlich machen wird.

Der bessere und letztlich auch erfolgreichere Weg ist die umfassende Beratung des Kunden, die nach dem Wegfall des Rechtsberatungsgesetzes voraussichtlich Anfang 2008 noch wesentlich leichter möglich sein wird, als wie dies heute der Fall ist. Effizient ist die frühzeitige Einschaltung eines Rechtsanwaltes und vor allen Dingen die Schadenfeststellung durch einen unabhängigen Sachverständigen.
Kommt es dann im Anschluss zu Kürzungen durch diverse Prüfberichte, reicht in der Regel ein Schreiben des Sachverständigen und des Anwaltes aus, um vollständige Zahlung zu erreichen.

Quelle: Informationsschreiben des BVSK

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