Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
Tel.: 0241/158015
Fax: 0241/158000

Servicekonzept der Allianz-Versicherung zur Abwicklung von Unfallschäden

Nachdem einige Versicherer bereits mit sogenannten Servicekonzepten (z.B. motorcare) an Kfz-Betriebe herangetreten sind, um die Abwicklung eines Unfallschadens neu zu gestalten, hat nun die Allianz-Versicherung ein weiteres Konzept vorgelegt und tritt derzeit damit an Ford-Vertragspartner heran.

In diesem Papier fällt auf, daß die Allianz hier keine Trennung zwischen Haftpflichtschaden und Kaskoschaden vornimmt, sondern allgemein anbietet, Geschädigten/Versicherungsnehmern zu empfehlen, die Reparatur in einem Ford-Betrieb durchzuführen.

Eigentlich handelt es sich hier um eine Selbstverständlichkeit, da seit jeher sowohl im Haftpflichtschaden, wie im Kaskoschaden der Autofahrer das Recht hat, sein Fahrzeug in einem markengebundenen Fachbetrieb seines Vertrauens instandsetzen zu lassen.

Als Gegenleistung für diese Selbstverständlichkeit verlangt die Allianz von Ford-Betrieben eine besondere Art des Wohlverhaltens.

So werden keinerlei Verbringungskosten im Fall der Überführung des Fahrzeuges zu einer Fremdlackiererei erstattet.

Geworben wird jedoch damit, daß die Schadenregulierung grundsätzlich innerhalb von 5 Arbeitstagen nach Rechnungseingang erfolgen soll. Die entscheidende Einschränkung liegt darin, daß zuvor die Schuldfrage eindeutig geklärt sein muß.

"Großzügigerweise" bietet die Allianz an, daß auch Wertminderung und Nutzungsausfall gezahlt werden, allerdings nur auf Wunsch des Geschädigten und soweit die Voraussetzungen - die offenbar die Allianz feststellen will - gegeben sind.

Voraussetzung für das Serviceangebot ist unter anderem auch, daß der Ford-Vertragspartner innerhalb von 2 Stunden ab Einlieferung des Fahrzeuges Kontakt zur Allianz-Versicherung aufnimmt. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. So ist es möglich, daß der Schädiger alle Maßnahmen einer aktiven Schadensteuerung ergreifen kann.

Weiterhin ist vorgesehen, daß der Ford-Vertragspartner einen Kostenvoranschlag mit allen Fahrzeugdaten erstellt und diesen online an die Allianz sendet. Dabei soll nach Möglichkeit DAT-Multitel bzw. audamail/audaimage genutzt werden.

Grundsätzlich sollen hierfür der Ford-Vertragsswerkstatt keine Kosten erstattet werden.

Offenbar um zumindest den Schein des Rechtsberatungsgesetztes zu wahren, weist man in dem Service-Angebot darauf hin, daß das Recht des Geschädigten, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, nicht in Frage gestellt wird.

Diese Aussage ist begrüßenswert, eröffnet sie doch dem Ford-Betrieb die Möglichkeit, seinen Kunden darauf hinzuweisen, daß das Recht einen Kfz-Sachverständigen hinzuzuziehen, grundsätzlich besteht.

Nur so kann im übrigen gewährleistet werden, daß der Kfz-Reparaturbetrieb nicht das Prognoserisiko übernehmen muß, zumal auch nicht einzusehen ist, warum der Kfz-Reparaturbetrieb im Haftpflichtschadenfall die Kosten der Schadenfeststellung für den Schädiger tragen soll.

Interessant ist auch die Auflage, die den Ford-Betrieben im Bereich der Zurverfügungstellung eines Mietwagens gemacht werden. Neben dem kostenlosen Hol- und Bringservice soll der Betrieb sich verpflichten, Mietwagen zu von der Allianz vorgegebenen Pauschalpreisen abzugeben. Diese Preise liegen zum Teil noch unterhalb der Flughafentarife beispielsweise von Sixt. Auch auf die Instandsetzung will die Allianz mit diesem Servicepapier Einfluß nehmen. Wörtlich heißt es: "Grundsätzlich gilt: Reparatur vor Austausch soweit diese Reparatur technisch vertretbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei der Wahl des Reparaturweges sind insbesondere auch zeitwertgerechte Reparaturtechniken zu berücksichtigen".

Was sich so harmlos anhört, ist nichts anderes als der direkte Weg in eine erhebliche Einflußnahme auf den Reparaturweg, auf die Höhe des Stundenverrechnungssatzes, auf die Höhe der Wertminderung und letztlich auf das gesamte Verhalten des Geschädigten. Drastischer kann man die Ertragssituation der Kfz-Reparaturbetriebe nicht angreifen.

Es ist schon bezeichnend, daß die Allianz mit Motorcare nicht in einem Zusammenhang genannt werden will, tatsächlich aber mit dem vorliegenden Konzept die Motorcareabsichten offensichtlich auf der rechten Spur überholen will.

Jeder Betrieb wird erkennen, daß es wenig Sinn macht die eigene betriebswirtschaftliche Situation drastisch zu verschlechtern, ohne Gegenleistungen hierfür zu erhalten.

Auch der Autofahrer wird künftig genauer darauf achten, wer wirklich sein Vertrauensbetrieb ist.

 

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