Dipl.-Ing. Günther Diefenthal VDI

von der IHK zu Aachen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und -bewertung

Grüner Weg 103
D-52070 Aachen
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Fax: 0241/158000

Regulierungsverhalten der Allianz unter Bezugnahme auf die so genannte Porscheentscheidung des Bundesgerichtshofes vom 29.04.2003

Die Allianz Versicherung hat sich offenbar entschlossen, die aus unserer Sicht eindeutige BGH-Entscheidung zur Höhe der Stundenverrechnungssätze bei fiktiver Abrechnung in sehr einseitiger und auch geschädigtenunfreundlicher Weise zu interpretieren.

Uns liegen eine Reihe von Allianzschreiben vor, wo die Allianz sowohl bei fiktiver wie auch bei konkreter Abrechnung auf Stundenverrechnungssätze regionaler Reparaturwerkstätten verweist, die unter den Stundenverrechnungsätzen der markengebundenen Kfz-Betriebe liegen.

Wörtlich führt die Allianz beispielsweise aus:

„Wir haben hier die konkreten Stundenverrechnungssätze einer Werkstatt in der Region Ihrer Mandantschaft in Ansatz gebracht. Zwar hat der BGH entschieden, dass bei fiktiver Abrechnung nicht der abstrakte Mittelwert für Stundenverrechnungssätze herangezogen werden darf. Dies ist jedoch nur im Leitsatz des Urteils so ausgeführt. In der Urteilsbegründung steht, dass der Geschädigte, der mühelos eine ohne weiteres zugängliche günstigere und gleichwertigere Reparaturmöglichkeit hat, sich auf diese verweisen lassen muss.“

Zumindest verursacht die Allianz mit derartigen Schreiben eine erhebliche Verunsicherung bei Geschädigten, Anwälten, Kfz-Betrieben und Sachverständigen.

Aus diesem Grund sei der Leitsatz der Entscheidung hier nochmals hervor gehoben, in dem ausdrücklich auf den Stundensatz der markengebundenen Werkstatt abgestellt wird.

Ausdrücklich führt der BGH in den Entscheidungsgründen aus,

„Unter diesen Umständen muss sich die Klägerin auf die abstrakte Möglichkeit der technisch ordnungsgemäßen Reparatur in irgendeiner kostengünstigeren Fremdwerkstatt auch unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht nicht verweisen lassen. ... Die Klägerin ist nicht gehalten, zum „Vorleben“ des
Pkw in wartungstechnischer Hinsicht vorzutragen. ... Das konkrete Verhalten des Geschädigten beeinflusst die Schadenshöhe nicht, solange die Schadensberechnung das Gebot der Wirtschaftlichkeit und das Verbot der Bereicherung beachtet. In diesem Rahmen ist der Geschädigte grundsätzlich hinsichtlich der Verwendung des zum Schadensausgleich erhaltenen Geldbetrages frei. ... Deshalb rügt die Revision auch mit Recht, dass das Berufungsgericht dem Sachvortrag der Klägerin, es wäre im Hinblick auf den Umfang der Schäden und die Möglichkeit einer Schadensausweitung unvernünftig gewesen, den Wagen in einer anderen Werkstatt instandsetzen zu lassen, keine Bedeutung beigemessen hat.“

In Anbetracht der völlig eindeutigen Ausführungen des Bundesgerichtshofes kann nur dringend angeraten werden, sich gegen entsprechende Kürzungen der Versicherung mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Entsprechende Muster können auch über den BVSK angefordert werden.

Das Verhalten zeigt im Übrigen auch, wie wichtig es ist, mit der Schadenfeststellung einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen zu beauftragen, der die aktuelle BGH-Rechtsprechung kennt und den korrekten Stundenverrechnungssatz einsetzt.

Quelle: Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. -BVSK-

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